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2019 - Rückblick des Präsidenten

Harry Iselin 13.12.2019

Das Jahr 2019 «Von bittersüss bis feuerscharf»  

 

 

Liebe Gewerbefreunde

Noch nie ist mir der Gang an den Schreibtisch und der Griff an die Feder so schwergefallen wie heute. Mein letzter Rückblick auf das vergangene Jahr. Im April 2020 ist Schluss mit 18 Jahren Gewerbevereinsvorstand und 10 Jahre Präsidium. So sei mir erlaubt, ein paar Zeilen und Gedanken dazu niederzuschreiben. Kurzum, es war eine wunderschöne Zeit. Ich durfte vor 10 Jahren Charly Büsser ablösen und obwohl ich nicht genau wusste, was mich alles erwarten würde, ging ich recht unbekümmert, aber top motiviert an die Sache heran und freute mich riesig auf die neuen Herausforderungen.

Mein erklärtes Ziel war die Neukonstituierung im Vorstand und die umgehende Erstellung einer Website mit neuem Kommunikationskonzept sowie ein neues Erscheinungsbild mit neuem Logo. So war der Startschuss gegeben. Ein weiteres Anliegen war, mich vermehrt im Kantonalen Gewerbeverband St. Gallen und Ihren Veranstaltungen zu zeigen. Die sollen wissen, mit wem sie es zu tun haben «änet am Ricke»! Diesem Umstand ist es wahrscheinlich zu verdanken, dass wir nächstes Jahr zum ersten Mal die Delegiertenversammlung des Kantonalen Gewerbeverbandes in Eschenbach organisieren und durchführen dürfen.

Die Gründung der Baugenossenschaft Custor und die Bildstöckli AG waren im Bereich der Baubranche Meilensteine in der Entwicklung der Gemeinde und des Gewerbes der letzten 20 Jahre. Ein Erfolgsmodell sondergleichen. Wodurch zeichnet sich Eschenbach sonst noch aus? Die unzähligen Vereine, welche tagtäglich ehrenamtliche Tätigkeiten ausüben und für ein soziales, gemeinsames Leben in der mittlerweile fast 10'000 Leute fassenden Ortschaft sorgen. An dieser Stelle meinen herzlichsten Dank allen ehrenamtlichen Personen, die sich für das Wohl und den Fortschritt der Gemeinde uneigennützig einsetzen.

Ein grosser, nicht zu unterschätzender Schritt war der Zusammenschluss der Gewerbevereine St. Gallenkappel und Eschenbach und die Einbindung des Gewerbes Goldingen. Im November 2013 erhielt der neue Vorstand mit Vertretern aus diesen Ortsteilen das Vertrauen der Mitglieder. Wir sind heute mit knapp 180 Mitgliedern der 7. grösste Gewerbeverein im Kanton.

Die Entwicklung der Gemeinde und des Gewerbes war mir immer sehr wichtig. So gründete ich mit Christoph Weber (ehemaliger Präsident der CVP) 2016 die IG Sportanlagen Eschenbach. Mit über 40 Vereinen setzten wir uns gemeinsam für dieses 22 Millionen Projekt ein. Ebenfalls gemeinsam vertreten 9 Gewerbevereine mit Ihren Präsidenten seit 3 Jahren in der IG Gewerbe Linth die Interessen der Region See und Gaster. Denise Camele, Präsidentin des Gewerbevereins Schmerikon als Hauptinitiantin organisiert die Berufsmesse jedes zweite Jahr mit rund 75 regionalen Betrieben, welchen unseren Jungen und Ihren Eltern einen umfassenden Einblick in die Welt des vielfältigen Gewerbes geben. Alle Zwischenjahre organisiert die Oberstufenschule Eschenbach dies direkt mit unseren KMU Betrieben. Schliesslich möchte ich es nicht unterlassen, unser Organisationskomitee der Gewerbeausstellungen zu erwähnen. Was diese Leute freiwillig auf die Beine stellten in der Vergangenheit, war schlicht der Hammer. Ich werde von vielen Seiten öfters gefragt, was Eschenbach so besonders macht. Meine Standardantwort: «In Eschenbach wird noch gegrüsst». Ob Du nun jemanden gut kennst oder noch nicht, es wird gegrüsst. Gegenseitiger Respekt, wenig Neid und Missgunst sind nicht nur gute Floskeln, sondern werden gelebt. Unser Gewerbe zeichnet sich dadurch aus, dass wir zusammenhalten wenn’s drauf ankommt. Jeder Betrieb gibt für seine Kunden sein Bestes.

 

So nun zum Jahresrückblick 2019

Ich hab’s angekündigt in meinem letzten Wort zum Jahresende an Sie liebe Gewerbler. Es pfeift ein orkanartiger Wind in allen Branchen. Die rasante Entwicklung unserer digitalen Welt verändert das Verhalten zwischen Kunden und Anbieter. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in der Schweiz bestens gewappnet sind für diese Hürden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass gerade in solch schnelllebigen Zeiten unser Land und die Bevölkerung enorm anpassungsfähig sind. Die Arbeitsmarktsituation wird neue Berufe an den Tag bringen und alte traditionelle Berufe und somit auch ihre Ausbildungen werden gänzlich wegfallen.

Demgegenüber bin ich mir aber sicher, dass insbesondere das Handwerk und alle damit verbundenen Berufe bald schon eine Renaissance erleben werden. Seien wir gespannt auf das, was uns die Zukunft bringt.

Was mich eher nachdenklich stimmt, sind gewisse gesellschaftliche Metamorphosen. So höre ich von Eltern, die mit Ihrem Anwalt an Lehrergespräche oder Elternabende gehen. Die Schule soll allein für die Erziehung unserer Kinder verantwortlich gemacht werden, so die einhellige Meinung gewisser Eltern. Eltern, welche beide erwerbstätig sind, sollen zudem vom Staat unterstützt und subventioniert werden und nicht diejenigen, welche sich entschieden haben mit nur einem Einkommen zu 100 % für die Kinder da zu sein.

Weiter erfahre ich immer häufiger, dass die «Geiz ist geil Mentalität» vor der Qualität steht. Es ist uncool beim teureren zu kaufen, auch wenn das Geschäft in der Nähe ist und eine persönliche Beratung bietet. So ärgere ich mich masslos, wenn Zalando Pakete meinen Hauseingang versperren und ein paar Tage später wieder, weil sie nach kurzer Anprobe zurückgeschickt werden. Dieser Challenge wird zum gesellschaftlichen Wettbewerb. Zudem vertrauen unsere «Digital Natives» Internetbewertungen, sogenannten Ratings eher als den persönlichen Ratschlägen eines ausgebildeten Fachmannes mit eigenem Geschäft. Dass diese Ratings gefaket oder gekauft sein könnten, wird dabei kunstvoll ignoriert oder stillgeschwiegen und in Kauf genommen. Ein Produkt ohne Rücksicht auf Ökologie oder Nachhaltigkeit beim billigsten Massenananbieter zu kaufen, ist schon eine ernst zu nehmende, erschreckende Entwicklung in unserer Gesellschaft.

Das neue Baureglement ist seit September 2019 nun endlich in Kraft und unser Bauamt wird sicher überhäuft von Anfragen und neuen Eingaben, die anhand der neuen Vorlagen nicht so leicht zu beurteilen sind. So braucht es garantiert in der Umsetzungsphase etwas mehr Geduld bis sich die Abläufe eingespielt haben. Es ist deshalb von Bedeutung, dass neue Eingaben mit den diesbezüglichen Entscheidungsträgern gut abgesprochen und vorschriftsgemäss und gut dokumentiert eingereicht werden.

Statistiker, Wirschaftsgurus und Glaskugelspäher können uns nicht wirklich voraussagen, wie es im Jahr 2020 aussehen wird. Darum lassen wir uns nicht zu viel beeinflussen und konzentrieren wir uns auf unsere Stärken. Der Kunde und seine Bedürfnisse sollen uns motivieren, jederzeit alles zu geben.  

Ich wünsche allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit, frohe Festtage, en guete Rutsch und natürlich ein glückliches, erfolgreiches und hoffentlich gesundes Neues Jahr 2020.  

Euer Präsident Harry Iselin