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Das Virus als Chance, Fluch und Segen

Harry Iselin 25.03.2020

Liebe Gewerbler Innen und Gewerbler

Noch zu Beginn des Jahres 2020 starteten wir alle mit viel Enthusiasmus, neuen Vorsätzen und positivem Elan. Unsere KMUs hatten unzählige Pläne und Ziele für das neue Jahr.

Der 22.02.2020 war in der Schweiz noch fast virusfrei und viele Heiratswillige warteten auf diesendenkwürdigen Tag. Und dann war es auch noch ein Samstag. Was für ein Zufall. Nun, Zufälle gibt es nicht. Es ist einem offensichtlich zugefallen. Nur einen Monat später steht die Welt still. Auch ein Zufall?

Nur noch Detaillisten zur Abdeckung von Grundbedürfnissen dürfen geöffnet haben. Firmeninsbesondere Baufirmen, die die Regeln des Bundesrates strikte einhalten können, dürfen Ihren Betrieb - wohlgemerkt auch nicht im Normalzustand -weiterführen. Kurzarbeit ist in fast allen Betrieben angesagt und auch möglich. Selbständigerwerbende mit Kundenkontakt sind für den Moment lahmgelegt. Seien das Coiffeur Betriebe, Taxiunternehmen, Massagepraxen, Physiotherapeuten, Nagelstudios, Kleidergeschäfte, Kosmetikstudios usw. Die meisten Dienstleister arbeiten im Home-Office Modus. So bin auch ich bis auf Weiteres ans Büro gefesselt, was sich unweigerlich auf die geplanten Produktionszahlen auswirken wird. Wir alle müssen unsere Jahresziele überdenken und viel schlimmer noch, wir wissen nicht wie lange dieser Zustand noch andauern wird und somit werden wir kaum Prognosen machen können.

Beruhigend ist die Gewissheit, dass der Bundesrat Soforthilfe versprochen hat. Finanzielle Soforthilfe. Wir halten Euch diesbezüglich auf unserer Homepage sowie Emails auf dem Laufenden.

Viele unserer Mitglieder – und das freut mich besonders– verfolgen keine Strauss Taktik, sondern sind innovativ und kreativ. Einige bieten Hauslieferdienste an, Gastrobetriebe richteten sich für Take Away Angeboteein. Andere helfen älteren Menschen mit Einkauf und den nötigen Besorgungen. Das Zeichen und das Bewusstsein der Solidarität ist sehr hoch. Auch hören wir von Vermietern, die temporär auf Ihre Mieteinnahmen verzichten oder diese reduzieren. Danke für Ihre Weitsicht in dieser schwierigen Lage.

Meine Recherchen haben zudem ergeben, dass die Bevölkerung dies mit grossem Dank entgegennimmt und viele Kunden diese neuen Angebote auch nutzen. Super, Gratulation! Wir müssen aber auch daran denken, dass es Betriebe gibt, die ebenfalls einen wichtigen, gesellschaftlichen Auftrag erfüllen und leider mit aller Kreativität keine Chance haben, Ihre Firma weiterzuführen. An dieser Stelle wünsche ich all diesen meist Kleinst-KMUs im Namen vom Gewerbe Eschenbach Geduld und Durchhaltewillen. Erkundigt Euch bei den in den Medien angezeigten Anlaufstellen. Informiert Euch auch auf unserer Homepage. Bitte macht dies umgehend.

 Mit welcher finanziellen Unterstützung dürfen wir rechnen?

 Zusammenfassend schliesse ich aus den vielen Medienmitteilungen, dass es bis dato 3 mögliche Konstellationen von Erwerbstätigen mit unterschiedlichen Entschädigungs-ansprüchen gibt.

 1. Sämtliche Arbeitgeber, die von den Massnahmen des Bundesrates betroffen sind, können für ihre Arbeitnehmenden Kurzarbeit beantragen. Diese Lohnersatzzahlungen werden aus dem Kässeli der Arbeitslosenversicherung ermöglicht. Dies sind keine Almosen. Also schämt Euch nicht, diese zu beantragen.

 2. Firmeninhaber, sogenannte Gesellschafter von GmbHs oder AGs zahlen auch Arbeitslosengelder, haben aber normalerweise keinen Anspruch auf Lohnersatz. Diesen wurde kurzfristig über die ALV eine Entschädigung versprochen in der Höhe von maximal CHF 3'320.—pro Monat. Diese Pauschale soll nicht als Lohnbestandteil zu verstehen sein, sondern als Entschädigung für die Lebenshaltungskosten. Zusätzliche Lohnersatzzahlungen für diese Gesellschafter sind vom Bund nicht geplant.

 3. Selbständigerwerbende Einzelunternehmer, Kollektiv-, Kommanditgesellschafter hätten im Normalfall auch keinen Anspruch auf Ersatz über die staatliche Vorsorge. Dafür wurde die «Corona»Erwerbsersatzordnung ins Leben gerufen. Diese Personen werden aus der EO (1.Säule) eine Entschädigung erhalten. Wie hoch diese sind und welche Unterlagen zur Beantragung nötig sind, muss beim diesbezüglichen Amt abgeklärt werden. Üblicherweise bei der Sozialversicherungsanstalt SVA des jeweiligen Kantons. Finanziert werden diese ausserordentlichen Kosten vom Bund.

 4. Schliesslich gibt es noch die Variante von zinslosen Darlehen oder Krediten, die von Firmen beantragt werden können, welche verursacht durch die vom Bundesrat verordneten Massnahmen, in einen finanziellen Engpass geraten sind. Dabei ist zu beachten, dass gesuchstellende Firmen, die schon in finanziellen Notständen waren, gute Argumente brauchen, um Ihr Dasein mit einem Kredit zu verlängern. Der Ablauf für die Beantragung ist etwas kompliziert und daher gehe ich nicht im Detail darauf ein. Hier gibt das BAG oder auch das SVA des jeweiligen Kantons Auskunft.

Gerne könnt ihr mir persönlich schreiben und Eure Erfahrungen mit den Behördenstellen mitteilen. praesident@gewerbe-eschenbach.ch. Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit. Gerne nehmen auch wir Anregungen von Euch auf und versuchen mit Euch zusammen das Dienstleistungsangebot stetig zu verbessern.

 Wie geht es nun weiter?

Die Einschätzung der Lage und die Frage, wie lange es noch andauert, kann uns niemand voraussagen. Ich befürchte aber, dass wir noch bis zum Sommeranfang durchhalten müssen.

Der wirtschaftliche Schaden wird enorm, insbesondere die angekündigte Rezession wird uns noch lange beschäftigen. Ich bin aber einmal mehr – und ich wiederhole mich in dieser Situation gerne – der Überzeugung, dass wir sowohl regional als auch national diese ausserordentliche Lage gemeinsam gut meistern.

Liebe Mitglieder, bleibt trotz aller Tragik positiv und innovativ und zieht auch das Gute aus diesen Zeiten. Im Übrigen gibt es tatsächlich auch Positives zu berichten:

Ich ertappe mich seit über einer Woche beim Gedankenspiel einer entschleunigten Gesellschaft, die wieder vermehrt Zeit zur Reflektion hat, anstelle des Erfolgs um jeden Preis. Zeit, alte unerledigte Projekte neu aufzugleisen. Zeit Pendenzen zu bearbeiten, für die man im überfüllten Tagesgeschäft kein Fenster mehr fand aber auch Zeit mit der Familie zu verbringen oder mit seinen Liebsten wieder mal zu telefonieren. Schliesslich habe ich jetzt schon viel gelernt über Telefonkonferenzen, über Skype Besprechungen per Livestreamer und mit neuen Technologien praktisch umzugehen. Home-Office ist und wird ein in Zukunft gesellschaftlich und berufliches neues Arbeitsmodell in Firmen, die bis anhin nicht mal im Ansatz daran dachten. Es ist erstaunlich wie schnell man unter Zwang anpassungsfähig wird. Viele Personen berichten mir von ihren positiven Erfahrungen im Umgang mit der neuen Situation. Es sei in erster Linie weniger hektisch. Auf einmal werden wieder Werte wichtig, die im Zahnrad des Arbeitsalltags untergegangen sind.

Generalversammlung vom 29. April 2020 / Delegiertenversammlung vom 6. Mai 2020

Der Vorstand des Gewerbevereins hat entschieden, die geplante Generalversammlung auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Gemäss Statuten müsste die Versammlung bis zum 31. Mai durchgeführt werden. Da der Bundesrat die Lage aber als «ausserordentlich» bezeichnet, werden wir den Anlass eher in die zweite Jahreshälfte verschieben müssen.

Ausserdem wurde auch die diesjährige Delegiertenversammlung, die wir zum ersten Mal in der Geschichte des Gewerbeverbandes St. Gallen nach Eschenbach holen konnten, auf unbestimmte Zeit verschoben. Wir waren mit dem OK aus Vorstand und Hauswarten von Schulen und Gemeinden seit bald einem Jahr an den Vorbereitungen und wären soweit in den Startlöchern. Leider wissen wir nicht, ob nun lediglich die Versammlung für die statutarischen Geschäfte verabschiedet wird oder ob ein neuer Termin für den Festanlass gesucht wird. Es tut mir leid für die motivierten Vorstandsmitglieder die viel Zeit, Herzblut und Freude in dieses Projekt investiert haben. An dieser Stelle danke ich allen OK Mitgliedern und Helfern für Ihren grossen Einsatz.

 

Liebe Gewerblerinnen und Gewerbler, hebed Eu Sorg und hebed vor allem zäme. Mir schaffed das! Ich wünsche Euch viel Kraft, Geduld und Durchhaltewillen. Und blibet gesund.

 

 

Freundliche Grüsse

Euer Präsident
Harry Iselin